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12. - 15.8.2017 - Bad Ragaz

Camping-Wandern-Baden in der Ostschweiz

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An diesem verlängerten Wochenende fahren wir wiederum in einen Badekurort. Werden wir älter!? Nun Bad Ragaz ist einfach sehr praktisch gelegen, gut erreichbar und zudem ganz hübsch. Der Campingplatz liegt auch wieder unweit des Rheins, so dass sich auch dieser Kreis wieder schliesst.

Der Samstagmorgen zeigt sich noch regnerisch und grau. Wir nutzen die kurzen Regenpausen um das Wohnmobil zu beladen. Das Wetter bleibt vorerst noch garstig, doch die Prognosen versprechen Besserung am Nachmittag. So schlendern wir in Mels noch durch das Einkaufszentrum Pizolpark und kaufen ein paar Sachen für ein gemütliches Wochenende ein.

Als wir am dem Camping Giessenpark eintreffen, hellt es tatsächlich auf. Unser Platz ist reserviert und entsprechend beschildert. Überhaupt scheint hier alles gut organisiert zu sein. Die sanitären Anlagen sind gepflegt und sauber, überall stehen frische Blumen und das Personal ist sehr freundlich. Da wir drei Nächte bleiben, bekommen wir auch noch einen Eintritt in die Tamina Therme ... also doch ein Kuraufenthalt!?

Wir geniessen den Nachmittag mit einem Spaziergang entlang dem Rhein und kehren in Bad Ragaz zu einem Bier ein. Ein einfaches aber feines Pastagericht vor dem Womo macht den gemütlichen Abend komplett.

Den Sonntag gehen wir ebenfalls ruhig an. Nach dem Frühstück packen wir die Rucksäcke und wandern Richtung Badtobel. Auf einem Naturfahrsträsschen geht’s langsam, aber kontinuierlich aufwärts, immer entlang dem rauschenden Bach. Die Tamina ist wild und die Felswände werden immer steiler. Hoch über dem Tal sichten wir die 2017 fertiggestellte Strassenbrücke die Pfäfers und Valens verbindet. Ein eindrückliches, modernes Bauwerk.

Bald erreichen wir ein ganz anderes Baudenkmal, das Alte Bad Pfäfers. Das älteste erhaltene Barockbadehaus in der Schweiz wurde ca. 1240 erstellt, nachdem angeblich zwei Jäger die warme Quelle entdeckten. Bis heute sprudelt das 36.5 Grad warme Wasser ununterbrochen. Doch bevor wir zur Quelle wandern, gönnen wir uns einen feinen Kaffee in der schön renovierten Gaststube und werfen einen Blick in die neugotische Kapelle.

Danach werfen wir je einen 5-Liber ein, um durch das Drehkreuz in die eigentliche Taminaschlucht zu gelangen. Eindrücklich, um nicht zu sagen bedrückend, schliessen sich die Felsen über uns. Auf einem schmalen Steg gelangt man immer tiefer in die Schlucht. Von oben nässen kleine Rinnsale und unten zwängt sich der Bach durch die Enge.

Die Quelle wird heute gefasst und durch Rohre in die Thermen bei Bad Ragaz geleitet. Bei der Fassung ist es feucht und heiss, so dass unsere Brillen unweigerlich beschlagen. Fast erschlagen sind wir von den zunehmenden Besucherströmen. Immer mehr Touristen wollen das faszinierende Naturschauspiel bewundern. Darunter Reisende, die ihre Rollkoffer über die nassen Holzstege ziehen und ein indisches Brautpaar, dass sich den Platz für das Hochzeits-Fotoshooting ausgesucht hat.

Für uns also Zeit, wieder in die wirkliche Natur zurückzukehren.

Gleich hinter dem Alten Bad Pfäfers führt ein steiler Pfad hinauf zur sogenannten Naturbrücke. Das ist ein natürlicher Übergang über die gigantische Schlucht, die wir eben besucht haben. Im Wald ist es angenehm schattig und auf einer Bank stärken wir uns mit etwas Brot, Käse und Trockenfleisch.

Die Stärkung kommt gelegen, den nun führen unzählige Tritte einer Holztreppe hinauf nach Pfäfers. Auf dem Weg öffnet sich nochmals der Blick auf die grösste Betonbogenbrücke der Schweiz mit einer Spannweite von 260 Meter.

In der Ortschaft selbst scheint es eher ruhig zu und her zu gehen und so nehmen wir den Abstieg ins Tal unter die Füsse.

Der Weg führt zuerst entlang der Strasse, dann biegen wir auf einen Feldweg ab und kommen zuerst zur St. Georgenkapelle und dann zur Burgruine Wartenstein. Von hier aus ist die Sicht auf das Rheintal grandios.

Danach geht’s durch den Wald nochmals steil unterhinter, vorbei an der Therme, dem Golfplatz und durch den herrlichen Giessenpark entlang dem Giessensee zurück zum Camping.

Am Abend serviert man uns in einem gemütlichen Lokal eine leckere Pizza und feiner Tropfen Rotwein. Uns geht’s mal wieder richtig gut!

Wie es sich für einen Montagmorgen gehört, stellen wir auch heute den Wecker. Doch nicht um zur Arbeit zugehen, sondern viel mehr um rechtzeitig auf dem Bahnhof in Bad Ragaz zu stehen. Die Fahrt bis Sargans dauert nur fünf Minuten und dann steigen wir in den Bus, der uns zur Talstation der Pizolbahn in Wangs bringt.

Und schon sitzen wir mit einem Ticket für die 5-Seen-Wanderung in einer Gondel, die uns zur Furt auf 1'522 m.ü.M. bringt. Hier heisst es umsteigen auf einen Sessellift. In Gaffia auf 1'861 m.ü.M. ist dann fertig mit „Bähnlifahren“, jetzt heisst es laufen.

Wir wandern bewusst anders, als es alle Reiseführer, Prospekte etc. angeben. So haben wir mehr Aufstieg, als Abstieg vor uns. Der Baschalvasee liegt schon über 2'000 m.ü.M. und wird von Kühen in Beschlag genommen. Sie scheinen das Gewässer als Kneippanlage zu nutzen. Der Bergweg steigt weiter an und die Sicht wird immer herrlicher. Es öffnen sich Blicke in die Ebene und auf viele hundert Gipfel in Nah und Fern.

Nach einem anhaltenden Aufstieg und dann wieder einem Abstieg erreichen wir den Schwarzsee. Wolken schieben sich vor die Sonne und so wirkt der See wirklich dunkel. Nun führt wieder ein sehr steiler, schmaler Weg hinauf zum Schwarzchopf. Uns kommen immer mehr Wanderer entgegen, eben all jene, die nach Vorgabe wandern ... Auf dem Schwarzchopf auf gut 2'500 m.ü.M. herrscht ein kleiner Menschenauflauf.

Wir lassen uns etwas abseits nieder und geniessen bei prächtiger Sicht ein Picknick. Dann geht’s wieder hinunter zum See Nr. 3. Beim Schottensee ist die blaugrüne Farbe fast magisch. Das Gewässer liegt ruhig zwischen mächtigen Felsen. Wir halten einen Moment inne und lassen die Kräfte wirken.

Für die Wanderung typisch heisst es nun wieder 4x4 einschalten und nochmals ein paar Höhenmeter bewältigen. Doch auch der Wildsee mit dem Pizol im Hintergrund ist jede Mühe wert. Das Farbenspiel ist unbeschreiblich und wir versuchen die Szenerie in Bilder festzuhalten.

Über die Wildseeluggen führt nun der Pfad hinunter zur Pizolhütte. Hier kehren wir auf der Terrasse ein und löschen den Durst, bevor es zum fünften See geht. Der Wangsersee bildet sozusagen den Schlusspunkt.

Am Morgen haben wir das Ticket am Schalter so gelöscht, dass wir mit der Bahn von Laufböden über Pardiel nach Matells hinunterfahren können. Von hier verkehrt dann wieder ein Bus nach Bad Ragaz. Soweit der Plan. An der Bergstation Laufböden müssen wir jedoch feststellen, dass diese Bahn entgegen der Auskunft von der Bahnangestellten in Wangs gar nicht mehr fährt. Andere Wanderer stehen auch vor der Wahl, rund eine Stunde nach Pardiel hinab zu laufen oder zurück zur Pizolhütte zu gehen. Wir entscheiden uns für die zweite Lösung.

So verläuft die Rückreise gleich wie die Anreise. Nach der Rückkehr auf dem Camping bereiten wir uns einen kleinen Salat zu. Vor dem Baden wollen wir nicht zu viel essen.

Bald erholen sich unsere geforderten Muskeln im warmen Thermalwasser. Wir sprudeln und relaxen bei 36.5 Grad. Einfach herrlich.

Dank den milden Temperaturen können wir auch das späte Nachtessen noch draussen geniessen.

Auch diese Nacht haben unsere tierischen Nachbarn wieder alles gegeben. Unser Wohnmobil steht unter einer mächtigen Föhre. Sie ist das Zuhause von äusserst gefrässigen Eichhörnchen, die andauernd Zapfen auf unser Dach fallen lassen. Und so knallt es immer wieder über unseren Köpfen.

Der 15. August ist im Kanton St. Gallen kein Feiertag und so können wir uns in Bad Ragaz noch mit dem Nötigsten für zuhause eindecken. Dann heisst es leider schon bald wieder Abschied nehmen. Wir fahren vor dem grossen Rückreiseverkehr nach Hause.

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