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9.11. - 28.11.2005 - Südafrika

Unsere erste grosse gemeinsame Reise nach Südafrika.

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Am 9. November 2005 am Abend starten wir unsere erste grosse gemeinsame Reise. Das Ziel Südafrika ist nicht zufällig gewählt. Eine gute Freundin wohnt schon seit Jahren in Johannesburg und feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Eine gute Gelegenheit also auf den afrikanischen Kontinent zu reisen.

Wir fliegen via Johannesburg nach Kapstadt und übernehmen gleich am Flughafen unseren Mietwagen, einen Toyota Corolla. Mit dem Linksverkehr kommen wir schnell zu recht und nach einem kurzen Umweg finden wir den Weg nach Hout Bay. Nach der langen Reise richten wir uns im vorreservierten B & B ein und machen einen ersten Spaziergang am Meer.

Am nächsten Tag wartet bereits ein erstes Highlight auf uns! Via Chapman’s Peak Drive, einer der schönsten Küstenstrassen der Welt, fahren zum Kap der Guten Hoffnung. Vom Cape Point geniessen wir die fantastische Aus- und Weitsicht auf den Atlantischen Ozean. Wir besuchen einige Ortschaften in der False Bay und am Boulders Beach machen wir Bekanntschaft mit niedlichen Brillenpinguienen.

Nach viel Natur wollen wir nun noch die Sehenswürdigkeiten von Kapstadt erkunden.  Wir wundern uns über den recht flüssigen Verkehr und dass uns im Parkhaus das Ticket persönlich übergeben wird. Erst beim Suchen eines Parkfeldes stellen wir fest, dass alles dunkel ist. Und in den Strassen der Water Front wird uns dann klar, dass in der Stadt der Strom ausgefallen ist. Einige Läden haben aus Sicherheitsgründen geschlossen und im Restaurant bekommen wir die Getränke nur gegen Barbezahlung. Für uns kein Problem, denn wir haben uns vor der Abreise mit Rand eingedeckt. Wir erkunden dennoch das Hafengebiet und fahren dann zurück nach Hout Bay.

Am nächsten Tag ist Groot Constantia, das älteste Weingut in Südafrika, unser erstes Ziel. Wir schlendern durch das Gut, besichtigen die verschiedenen Häuser und landen zuletzt im Weinkeller.

Da wir jedoch mit dem Auto unterwegs sind, bleibt es vorerst beim Schauen. In Somerset West zieht es uns wieder an den Strand und wir atmen die Meeresbrise tief ein. Auf dem Weg nach Stellenbosch halten wir noch beim Weingut Vergelegen an. Nun befinden wir uns bereits Mitten im berühmten Weinanbaugebiet von Südafrika.

Von Bekannten haben wir die Adresse vom Van der Stel Manor erhalten und so nächtigen wir in diesem kapholländischen Haus, das an den Gründer der Stadt (1679) Gouverneur Simon van der Stel erinnert. Das Haus ist im Besitz von Schweizern, die das Anwesen mit viel Liebe und Engagement pflegen und drei Zimmer vermieten. Der Hausherr hat für uns sogar einen Tisch in einem angesagten Restaurant reserviert. Wir parken das Auto in einer Nebenstrasse und sogleich bietet sich ein junger Südafrikaner an, auf den Wagen aufzupassen. Wir sind etwas skeptisch und erklären ihm, das er einen „Lohn“ erhält, wenn wir zurückkommen und das Auto noch unversehrt hier ist.

Als wir das Lokal nach einem authentischen Essen verlassen, geht ein starker Regen nieder. Der Wirt und ein Angestellter begleiten uns mit Schirmen zum Auto. Wir sitzen schon im Trocknen, da entdecken wir unweit des Wagens den jungen „Wachmann“ mit seiner orangen Weste. Er drückt sich an die Hauswand und sucht so Schutz vor dem heftigen Schauer. Wir sind uns einig, dass er seinen „Lohn“ verdient hat und so steige ich nochmals aus und übergebe ihm das Geld. Sein Strahlen lässt mich den Regen fast vergessen. Tropfnass kehre ich in den Wagen zurück.

In Franschhoek besuchen wir nach einem Bummel durch das Städtchen das Huguenot Monument und setzen dann die Reise über den Franschhoek Pass und den Viljoen’s Pass fort. Durch das Hottentots-Holland Nature Reserve gelangen wir wieder nach Somerset West. Der Besuch des Neethligshof mit seinen Herrenhaus und der prächtigen Gartenanlage ist lohnenswert.

Nach einer weiteren Nacht in Stellenbosch nehmen wir in Paarl an einer Kellerführung teil und erfahren Interessantes über den Weinanbau in Südafrika. Vom Afrikaans Taalmonument auf dem Paarl-Berg aus geniessen wir das schöne Panorama.

Weiter geht’s auf der N1 in die Little Karoo, eine trockene, wüstenähnliche Senke. Das Gebiet ist deutlich weniger stark bevölkert und auf der Strasse herrscht kaum Verkehr.

Ein ganz besonderer Ort ist Matjiesfontein. Bei einem Rundgang kommen wir beim Bahnhof (Haltestelle des berühmten Blue Train) und beim Lord Milner Hotel vorbei. Viktorianische Bauten zeugen von einer glanzvollen Vergangenheit und Matjiesfontein war die erste Stadt des Landes mit Elektrizität und mit fliessendem Wasser. Heute ist hier nicht viel los und wir bekommen in einem kleinen Restaurant Kaffee und ein Stück feinen, süssen Kuchen.

Wir übernachten in einer Lodge in Prince Albert und essen auf Empfehlung in einem winzigen Lokal. Normalerweise bringen die Gäste den Wein selbst mit (BYO), doch die Wirtin hat für uns unwissenden Touristen zufälligerweise ein guter Tropfen an Lager.

Die Strasse auf den Swartbergpass wird bald zu einer Rüttelpiste. Wir überholen eine Art Strassenwalze, die die Fahrbahn ebnen sollte, doch der Erfolg ist mässig. Heute ist uns nach Wandern und so machen wir einen Rundgang in kargen, doch sehr eindrücklichen Bergwelt. Den Abstecher zum Gamkaskloof (the hell) würden wir gerne wagen, doch die Schotterpiste sollte nur mit 4WD befahren werden und so sehen wir davon ab.

Dafür besuchen wir die imposanten Tropfsteinhöhlen Cango Caves. Wir haben Glück und können uns gleich einer sehr informativen Führung anschliessen. Nach dem Rundgang in den 18 Grad kühlen Höhlen geht’s weiter zum Rust en Vrede Waterfall. Die Strasse verlangt einige Fahrkünste, doch der Toyota ist robust und macht die Exkursion mit. Auf der Weiterfahrt nach De Rust herrscht kaum Verkehr, doch jene die uns entgegenkommen, winken oder gestikulieren. Wir sehen uns fragend an und halten an, als wir sicher sind, dass niemand in der Nähe ist. Dann sehen auch wir den Plattfuss.

Nun heisst es Reifenwechsel bei über 30 Grad in der Sonne. Die Schotterstrasse ist zum Glück recht eben und der Wagenheber kann richtig angesetzt werden. Das Reserverad ist schnell montiert. Fast unbemerkt hat sich eine ganze Herde von Straussenvögeln einer nahen Farm hinter dem Zaum an der Strasse versammelt und den Radwechsel aufmerksam verfolgt. Vorsichtig fahren wir weiter und machen beim Wasserfall von Meiringspoort einen nächsten Halt.

Die Besitzer der Lodge nennen uns eine Garage, die unseren platten Reifen flicken kann. Mit flinker Hand repariert der Angestellte den Pneu auf südafrikanische Art und Weise. Das ganze kostet uns umgerechnet 3 Franken. Der Service ist uns ein anständiges Trinkgeld wert, denn der Pneu hält die ganze weitere Reise.

In Oudtshoorn besuchen wir eine der vielen Straussenfarmen und lernen einiges über die Zucht der flugunfähigen Vögel. Über den Robinsonpass gelangen wir bei Mossel Bay wieder an die Küste. Beim berühmten Post Office Tree machen wir einen kurzen Halt. Allerdings ist für uns keine Post deponiert! In der Nähe von Great Brak River nächtigen wir in einem B & B, das leider noch nicht ganz fertig ist und die Bauarbeiten uns um vier Uhr morgens aus dem Schlaf holen. Am Vorabend haben wir in einem kleinen Fischerrestaurant am Meer frische Shrimps à discrétion genossen; einfach herrlich.

Über Victoria Bay gelangen wir nach Wilderness und nach Knysna. Bei den Two Heads peitschen die Wellen an die Felsen, während in der ruhigen Lagune unzählige Fische und Meerestriere beheimatet sind u. a. auch seltene Seepferdchen.

Auch Plettenberg ist ein berühmter und beliebter Badeort. Dank der Hilfe des örtlichen Tourismusbüros landen wir bei Lesly und Peter. Ihr B & B ist gemütlich und sie sind sehr freundliche Gastgeber für eine weitere Nacht auf unserer Reise.

Auf den Rat von Lesly und Peter brechen wir früh auf und fahren zum Robberg Nature Reserve. Die Halbinsel erstreckt sich über 4 km und lädt zu einer eindrücklichen Wanderung ein. Auf der Tour beobachten wir brütende Wasservögel und entdeckende eine grosse Seehundkolonie. Wir geniessen diesen Tag in der Natur sehr. Danach fahren wir über die Bloukrans Bridge und sehen den wagemutigen Bungy Jumper zu. Ganz nach dem Thema: lieber die als wir! In Cape St. Francis wohnen wir gleich am Strand. Ein Gast aus Norwegen erweist sich als sehr anhänglich. Der weitgereiste Rentner begleitet uns bei Nachtessen und taucht auch bei den Ausflügen immer wieder auf.

Bei einem ausgedehnten Spaziergang am Meer merken wir, wie salzig hier die Luft ist. Auf unseren Sonnenbrillen bildet sich eine richtige Salzkruste und auch die Haut fühlt sich ganz verkrustet an. Beim  Aufstieg auf den Leuchtturm (erstellt 1876) lasse ich allen Herren gerne den Vortritt, denn am Morgen habe ich einen kurzen Rock gewählt, der sich auf der steilen Treppe als kleiner Fehlentscheid entpuppt.

Jeffrey’s Bay ist der letzte Küstenort, den wir  auf unserer Route besuchen. Das nächste Ziel ist Addo nördlich von Port Elizabeth. Hier finden wir ein sehr sympathisches B & B und buchen gleich drei Nächte.  Beim Abendessen in einem nahen Restaurant bedient uns ein junger Kellner, der uns gerne aus seinem Leben und von seinen Plänen erzählt. Für uns öffnet er zum ersten Mal eine Flasche Wein und sein Ausbildner beobachtet ihn genau. Wir loben seien zuvorkommenden Service und wünschen ihm alles Gute für seine Zukunft.

Im Addo-Olifant National Park wollen wir endlich den wilden Tieren von Südafrika begegnen. Der Park darf mit dem eigenen Auto befahren werden. Wir machen uns früh auf die Pirsch und folgen den Naturstrassen. Unsere Augen blicken hinter jeden Strauch und in jedes Gebüsch. Immer wieder glauben wir etwas zu sehen. Lange bleibt es beim Glauben. Doch plötzlich tauchen sie aus dem Busch auf. Eine ganze Herde Elefanten überquert den Weg. Darunter ein kleiner Elefant! Wir sind begeistert. Später sehen wir Wasserbüffel, Zebras und Warzenschweine. Mit einmaligen Eindrücken und vielen Fotos kehren wir zurück.

Den letzten Tag im Western Cape entlang der Garden Route nutzen wir zu einem Ausflug in die Zuurberge. Wir melden uns bei der Parkverwaltung und informieren sie über unsere geplante Wanderung. Falls wir bis am Abend nicht wieder zurückkehrten, würden die einen Suchtrupp los schicken. Doch soweit wollen wir es nicht kommen lassen. Wir geniessen die Ruhe und die Natur. Unterwegs sehen wir nur wenige andere Wanderer und ein gemütliches Tier; eine Schildkröte kreuzt unseren Weg. Alle andern tierischen Bewohner bleiben uns leider verborgen.

Auf dem Zuurbergpass entdecken wir eine pittoreske Kirche und geniessen eine tolle Aussicht.

Am Flughafen von Port Elizabeth geben wir unseren Mietwagen zurück und besteigen das Flugzeug nach Johannesburg. In den nächsten Tagen dürfen wir bei unseren Freunden in Randburg wohnen. Wir können uns im Gästezimmer einrichten und auch unsere Wäsche von den letzten Wochen waschen.

Der Besuch Pretoria ist sehr abwechslungsreich und gibt Einblicke ins Leben der Südafrikaner. Wir halten beim Voortrekker Monument und schlendern durch die City. Nach einem Mittagessen kehren wir zurück nach Randburg und geniessen den Garten von unseren Gastgebern.

Heute feiert unsere Freundin einen runden Geburtstag. Sie nimmt sich Zeit, mit uns ins Rhino & Lion Nature Reserve zu fahren. Der Park darf mit dem eigenen Wagen erkundet werden und plötzlich finden wir uns mit einer Horde von Wildhunden wieder. Wir setzen die Fahrt fort und haben das grosse Glück auf Löwen zu treffen. Die Tiere scheinen satt zu sein. Sie liegen faul unter einem Baum und wir können sie beobachten und fotografieren. Ein einmaliges Erlebnis.

Im Pool stossen wir ein erstes Mal auf die Jubilarin an. Später geniessen wir ein feines Nachtessen in ihrem Lieblingsrestaurant und lassen sie hochleben.

Zur grossen Freude der Kinder geht’s heute nach Sun City in der Nähe von Pilansberg. Während sich die Jungs im Wellenbad vergnügen, erkunden wir die weitläufige Anlage und gelangen schliesslich irgendwie in den Hotelkomplex. Wir setzen uns auf die gediegene Sonnenterrasse und bestellen ein Getränk.

Es erweist sich als wesentlich schwieriger wieder aus dem Hotel heraus, als hinein zukommen. Beim offiziellen Ausgang weist man uns mangels Identifikationsband zurück. So müssen wir wieder über einen Schleichweg aus der Anlage herauskommen; absurd, aber wahr.

Am Abend wirft der Gastgeber den Grill an und lädt zum Braai (Barbecue) ein. Ein extra grosses Fleisch brutzelt über der Glut. Das Stück erweist sich allerdings als etwas zäh und schliesslich ist der Hofhund der grosse Profiteur. Dennoch geniessen wir einen gemütlichen Abend mit vielen Anekdoten.

Schon ist der letzte Ferientag in Südafrika angebrochen. Doch bevor wir Abschied nehmen, ergibt sich noch die Chance, einen Künstlermarkt zu besuchen. Auf Parkdecks preisen Händler und Künstler ihre Waren an. Wir kaufen uns als Erinnerung an die unvergessliche Reise eine Giraffe aus Holz. Bei der Wahl prüfen wir die Grösse des Kunstwerkes, damit der Transport im Koffer möglich ist. Ein paar Flaschen scharfe Barbecue-Saucen ergänzen die Souveniers.

Dann heisst es nochmal umpacken und die Giraffe sicher verpacken. Auf dem Weg zum Flughafen erleben wir einen Sonnenuntergang, der dank der Luftverschmutzung paradoxerweise besonders intensiv leuchtet. Der Abschied fällt nicht leicht, denn es ist unklar, wenn wir ein Wiedersehen feiern können. Doch nun blicken wir auf eine wunderschöne Reise entlang der Garden Route und eine tolle Woche in Johannesburg zurück.

 

Unsere erste grosse Reise hat uns noch mehr zusammengebracht und unvergessliche Momente beschert. Wir freuen uns schon auf das nächste Reiseabenteuer!

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