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7.3. + 8.3.2015 - Gstaad - Saanenland

Iglu-Dorf Gstaad – cool and hot / Lauenensee

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Auf diesen Ausflug freuen wir uns schon lange! Und die Prognosen versprechen sonniges Winterwetter. Nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt erreichen wir Saanenmöser (1'268 m.ü.M). Wir kennen das Gebiet schon von früheren Ausflügen, doch so schön war das Wetter noch nie. Entsprechend viele Gäste besuchen die Destination und auf dem Parkleitsystem wird der Parkplatz in Saanenmöser als besetzt ausgewiesen. Wir müssen jedoch genau auf diesen Platz, denn nur hier ist das Parken über Nacht erlaubt. Der Verkehrslotse winkt schon von weitem ab, doch nach ein paar klärenden Worten und seiner Feststellung, dass wir ein 4x4-Fahrzeug haben, lässt er uns einen freien Platz suchen.

Wir schnallen unsere Rucksäcke an und wandern über den vereisten Parkplatz. Die Schneeschuhe würden wir wohl besser an den Füssen tragen. Doch der Weg zur Talstation der Gondelbahn ist nicht weit und bald stehen wir an der Kasse um die Fahrscheine zu kaufen.

Bevor wir uns auf die Bergfahrt begeben, geniessen wir draussen an einer Bar ein erfrischendes Bier. Bald darauf quetschen wir uns mit unserem Gepäck und anderen Fahrgästen in die kleinen Sechser-Gondeln. Die Bahn ist schon ziemlich in die Jahre gekommen und  einige Roststellen verbreiten wenig Vertrauen. Doch wir kommen sicher über die Zwischenstation Saanenwald (1'417 m.ü.M) auf den Saanerslochgrat (1'937 m.ü.M.).

Hier oben herrschen vorzügliche Wintersportbedingungen und wir geniessen die herrliche Aussicht auf die Schneeberge. Bald schnallen wir unsere Schneeschuhe an  und wandern zuerst ein Stück entlang der Skipiste. Wir sind unumstritten die Exoten hier oben, aber das kümmert uns wenig. Ein schmaler Pfad führt nun Richtung Horntube. Zuerst gewinnen wir rasch an Höhe, doch dann wird der Aufstieg immer steiler und mühsamer. Zudem entdecken wir an der Krete überhängende Schneewechten. Wir wollen vernünftig sein und kehren um. Beim Abstieg kommt die GoPro-Kamera zum Einsatz -  einfach spassig!

Auf der Terrasse des Restaurants trinken wir einen feinen Hauskaffee mit grandiosem Blick auf die unzähligen Berggipfel. Wir knipsen wie immer unzählige Fotos und steigen ein paar Höhenmeter ab zum Iglu-Dorf – unserem eigentlichen Ziel!

Der Grund, dass wir hier sind, ist Sohn Marc. Er arbeitet diese Saison als Guide und ist bei unserem Eintreffen gerade an der Bar beschäftigt. Auf dem Gelände des Iglu-Dorfes herrscht eine lockere Stimmung und die Gäste hängen in bequemen Liegestühlen ab. Ein Glühweisswein in einem speziellen Becher lässt die Kälte auf knapp 2'000 m.ü.M. gut ertragen.  Die Übernachtungsgäste treffen sich im Bergrestaurant und deshalb steigen wir wieder hoch um zusammen mit den andern erste Instruktionen für unser Abenteuer zu bekommen.

Dann geht’s zu einem nächsten Apéro.  Wir lernen einige Gäste und vor allem auch Marc’s Freundin kennen. Sie verbringt noch ein paar Tage hier im winterlichen Berner Oberland bevor sie dann eine Stelle in Abu Dhabi antritt.

Vor dem Sonnenuntergang dürfen wir endlich das Iglu-Dorf besichtigen. Das Herz des Dorfes bildet das Restaurant, darum herum gruppieren sich verschiedene Schlafiglus. In den einen finden bis sechs Personen Platz. Die Romantik-Iglus sind für zwei Gäste konzipiert. Alle „Zimmer“ sind mit phantasievollen Kunstwerken verziert und alles, wirklich alles, ist aus Eis.

Über unserer Schlafstelle wacht ein riesiger Drachen, der stillvoll mit Licht in Szene gesetzt wird. Wir haben sogar eine eigene Toilette und ein Becken fürs Putzen der Zähne. Weitere high-lights sind ein beheizter Whirlpool und eine Saune.

Doch nun neigt sich der Tag dem Ende zu und die Sonne verabschiedet sich in spektakulären Rottönen.  Bald darauf leuchten die ersten Sterne am klaren Himmel. Nun ist es Zeit die Schneeschuhe anzuziehen und unter der kundigen Leitung von Marc brechen wir zu einer spannenden Nachtwanderung auf. Wir übernehmen das Schlusslicht und stellen sicher, dass keine/r der fünfzehnköpfigen Gruppe verloren geht.

Wir halten immer wieder an um den eindrücklichen Nachthimmel zu bestaunen. Einige haben ein App, mit dem sie die Sternbilder bestimmen können, andere kennen diese auswendig und geben die Kenntnisse gerne weiter.

Die sinkenden Temperaturen und die fortschreitende Zeit mahnt zur Rückkehr ins Eis-Dorf. Hier ist es allerdings fast so kühl, aber ein Fondue verspricht etwas Wärme ...! So sitzen wir mit Mützen und Winterjacken in sehr gemütlicher Runde, trinken Rotwein und tunken die „Brotmöckli“ im flüssigen Käse. Es bleibt nicht bei einer Flasche Wein und wir lachen viel. Marc und sein Arbeitskollege finden auch noch Zeit um sich zu uns an den Tisch zu setzen.

Die Nachricht, dass das der Whirlpool nun offen sei, verleitet uns tatsächlich dazu, die warmen Kleider gegen die Badehosen zu tauschen ... und das bei null Grad! Mit Flipflop an den Füssen und einer Mütze auf dem Kopf huschen wir aus dem Iglu ins Freie und hüpfen ins über 30 Grad warme Wasser. So sprudeln wir unter dem Sternenhimmel und tauen auf.

Das wir nicht die ganze Nacht im Whirlpool bleiben können, ist wohl klar, doch hinaussteigen in die Kälte braucht wieder eine echte Überwindung. Ein kurzer Abstecher in die Saune macht die Sache nicht viel besser, denn schlussendlich müssen wir wieder aus den nassen Badekleidern und dann so schnell wie möglich in die Schlafsäcke. Zähneklappernd liegen wir in den Daunensäcken und fragen uns kurz, wie wir wohl diese Nacht überleben werden. Erstaunlicherweise wird es immer behaglicher und es ist sehr ruhig. Die Müdigkeit obsiegt.

Am Sonntagmorgen besteht die erste Herausforderung, so schnell wie möglich aus dem  Schlafsack in die Winterkleider zukommen ohne dabei viel Wärme zu verlieren. Glücklicherweise habe ich die meisten Kleider mit in den Schlafsack genommen, so dass sie nicht gefroren sind. Kurz vor Acht kommt Marc mit einem heissen Tee und hilft uns damit die Lebensgeister weiter zu wecken. Die Morgentoilette fällt eher dürftig aus und bald stehen wir mit gepackten Rucksäcken vor den Iglus und lassen die ersten Sonnenstrahlen auf uns scheinen.

Auch die andern Gäste versammeln sich auf dem Platz und manche schauen recht zerknittert aus. Die einen haben eine geruhsame Nacht hinter sich, die andern haben anscheinend kein Auge zugemacht.

Wir helfen Marc den schweren Schlitten mit dem schmutzigen Fondue-Geschirr und unzähligen Gläsern des Vorabends ins Restaurant hinaufzuziehen. Alle Iglu-Gäste stärken sich nun an einem feinen Frühstücks-Buffet. Wir sitzen wieder mit dem sympathischen Paar von gestern Abend zusammen und tauschen weitere Reiseerlebnisse aus. Zudem versuchen sich die beiden Herren beim Eier und Speck braten.

Nun heisst es Abschied nehmen: von Marc, der noch bis ca. Anfangs April hier oben arbeiten wird und von den beiden Gästen, denen wir unsere Blog-Adresse zusenden werden. Marcs Freundin fährt mit uns hinunter nach Saanenmöser und wir bringen sie noch zur Wohnung von Marc. Dann heisst es auch hier Tschüss bzw. Adios sagen.

Das prächtige Wetter hält auch heute an und wir nutzen den Tag für eine nächste Schneeschuh-Tour. Über Gstaad fahren wir nach Launen (1'241 m.ü.M.) und parken mitten im Dorf. Nach einem kurzen Marsch entlang der Strasse, biegen wir auf den Wanderweg ab und montieren die Schneeschuhe. Auf dem Weg zur Rohrbrücke und dann hinauf zum Fang müssen wir diese immer an- und abschnallen, denn auf den Fahrwegen liegt nur noch im Schatten Schnee.

Doch ab einer gewissen Höhe geht’s dann flott vorwärts und bald erreichen wir den idyllischen Lauenensee. Auf dem Rundweg begegnen wir kaum anderen Wanderern und wir geniessen die wohltuende Ruhe und die herrliche Landschaft rund um den gefrorenen See.  Hier liegt noch viel Schnee. Die Temperaturen sind jedoch angenehm und lassen auch eine Pause auf einer Sitzbank zu.

Zurück bei der Rohrbrücke kehren wir ins gut besuchte Restaurant ein und löschen den grossen Durst mit einem alkoholfreien Bier. Wohlweislich machen wir uns rechtzeitig auf den Nachhauseweg. Wie vermutet, herrscht insbesondere nach dem Brünig ein  grosses Verkehrsaufkommen. Viele Wintersportler geniessen dieses Wochenende wie wir und sind nun auch auf der Heimreise.

Wir schauen gerne auf das spannende, gemütliche und coole Wochenende zurück!

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