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7.3. – 9.3.2014 – Ein verlängertes Wochenende an der Ostsee

Ostseebad Kühlungsborn – feiner, endloser Sandstrand, soweit das Auge reicht.

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Am Donnerstagabend fliege ich nach Hamburg, wo ein Jugendfreund und Jahrgänger aus der Schweiz wohnt. Er ist vor langer Zeit ausgewandert und heute als Architekt in Hamburg tätig. Der lange besprochene gemeinsame Geburtstagsausflug (wir konnten beide vor 2 Jahren kurz nacheinander einen runden Geburtstag feiern) wird nun mit einiger Verspätung zur Tatsache.

Am späteren Freitagmorgen machen wir uns dann mit dem Auto auf den Weg zum etwa 170 km entfernt gelegenen Kurzurlaubsziel an der Ostsee (auch „Baltic Sea“ genannt) in der Nähe von Rostock, also auf ehemaligem Ostdeutschen Gebiet. Wenn nicht ein Tafel auf der Autobahn darauf aufmerksam gemacht hätte, dass hier früher die Mauer entlang verlief, hätte ich es wohl kaum bemerkt, denn es gibt wenig erkennbare Wahrzeichen aus der früheren DDR.

Nach ungefähr 2 ½ Stunden haben wir unser Ziel erreicht. Kühlungsborn, Mecklenburg-Vorpommerns grösster Bade- und Erholungsort mit ca. 7‘500 Einwohnern, wird auch als „German Riviera“ bezeichnet. Ansatzweise kann dies am Sonntag beobachtet werden, als die Strandpromenade bereits mit Menschen überfüllt war und an ein zügiges Vorwärtskommen beinahe nicht mehr zu denken ist – wie sieht dies wohl im Sommer in der Ferienzeit aus?

Da wir das Zimmer in der Upstalsboom Hotelresidenz & SPA Kühlungsborn erst in gut einer Stunde beziehen können entschliessen wir uns in Richtung Meer zu gehen. Wir gehen die Promenade rechts in Richtung Hafen. Kurz davor gehen wir auf einem langen Pier ins Meer (Seebrücke) hinaus und sehen von da einen grossen Teil des Strandes ein, wo immer mit gewissem Abstand Wellenbrecher (Fachbegriff: Buhnen) aus hintereinander gereihten und im Meer versenkten Baumstämmen das Strandbild prägt.

Unglaublicherweise getraut sich da auch ein älterer Herr zum Schwimmen ins kalte Nass und auch die Umgebungstemperatur ist trotz Sonne immer noch sehr moderat – dies wäre mit Sicherheit nichts für mich.

Auf dem Rückweg erkunden wir noch einen alten Grenzturm aus der DDR-Zeit. Der Aufstieg war sehr eng. Oben einmal angekommen hat man gute Aussicht und kann auch ein altes Gewehr, eine AK-47, aus dieser Zeit bestaunen. Von hier aus wurde Tag und Nacht der Strand bewacht, damit niemand in Richtung Skandinavien flüchten konnte.

Mit Wellness lassen wir den Nachmittag ausklingen, bevor wir die Zeit bis zum feinen Nachtessen an der Bar überbrücken. Wir geniessen das 4-Gang-Menue und schliessen den Abend an der Bar mit Live-Musik ab.

Am Samstagmorgen geht die Erkundung weiter. Dieses Mal geht es jedoch links weg. Unser Ziel ist der Riedensee, etwa 5 km in westlicher Richtung. Der Strandsee ist eingebunden in einem Naturschutzgebiet, welches als Refugium für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten dient.

Wir gehen dem Strand entlang und halten Ausschau nach den in der Gegend bekannten Steinen mit einem natürlich entstandenen Loch, volkstümlich „Hühnergott“ genannt, als auch nach dem klaren bis undurchsichtigen gelben Schmuckstein aus fossilem Harz, dem „Bernstein“.

Nach einiger Zeit enden die Häuser und es hat auch weniger spazierende Menschen am Strand.

Nach einer kleinen Landzunge sehen wir auf einmal den Riedensee und das unberührte Naturschutzgebiet.

Kaum habe ich eine Düne erklommen sehe ich hinter dem See auf einer Wiese, wie einige Dutzend Schwäne sich aus dem Gras erheben und mit lautem Geschnatter in Richtung See fliegen, ein wahrlich beeindruckendes Schauspiel.

Der Grossteil landet im See, jedoch fliegen einige über mich dahin und landen auf dem Meer. Es geht jedoch nicht lange und schon starten sie wieder, um auf dem Süsswassersee bei ihren Artgenossen zu landen.

In der Ferne sieht man den Leuchtturm von Bastorf, auch „Buk“ genannt. Leider ein wenig zu weit entfernt um noch dahin zu wandern – schade.

Zurück gehen wir nicht mehr unmittelbar am Meer, da dies doch eher anstrengend ist. Wir können so noch die Ostsee-Architektur von näher betrachten. Sehr viele Häuser wurden, sicher innerhalb des letzten Jahrzehnts, auf einen guten Standard renoviert. Wir geniessen noch ein Kaffee in einem Gartenrestaurant gegenüber unserem Hotel, bevor wir das SPA noch einmal ausgedehnt nutzen. Anschliessend ist dann ein reichhaltiges Nachtessen angesagt.

Am Sonntagmorgen geniessen wir das ausgiebige Morgenbuffet, bevor wir packen und das Hotel verlassen. Wir fahren in ein Parkhaus in der Nähe des Yachthafen Marina. Bereits jetzt hat es viele flanierende Menschen und einige sitzen bereits in Strandkörben, welche am Sandstrand aufgestellt sind. Im Hafen selber hat es noch nicht so viele Schiffe. Ein Katamaran sticht jedoch ins Auge.

Wir verlassen die Hafenpromenade und nehmen den Weg in Richtung Heiligendamm unter die Füsse. Es ist ein Weg leicht erhöht über dem Strand, verlaufend zwischen zwei dichten Hecken, welche wohl auch bald grün werden und vielen Vögeln Platz für Nester und Wohnraum bieten. Leider dient der Weg jedoch neben den Fussgängern auch den Velofahrern zum vorwärts kommen und so muss man ständig aufpassen, damit man nicht überfahren wird.

Nach ca. 7 km erreichen wir Heiligendamm. Dieser Ort mit Kurhaus ist das älteste Seebad Deutschlands. Im Jahr 2007 fand sogar der G8-Gipfel in Heiligendamm statt. Erstaunt sehen wir auch eine Burg, genannt nach dem Stammsitz des preussischen Königshauses und der Fürsten von Hohenzollern, „Burg Hohenzollern“.

Zum ganzen Komplex gehören auch das bekannte Kurhaus, das Grand Hotel Heiligendamm sowie weitere grosse Bauten und Villen. Die sogenannte „Perlenkette“ bildet eine Villenfassade an der Strandpromenade und soll in den nächsten Jahren für EUR 70 Mio. komplett erneuert werden, finanziert über den Verkauf von Ferienwohnungen in den Villen.

Wir gehen noch auf die Seebrücke, bestaunen das Panorama und schauen nach Kühlenborn, welches am Horizont liegt.

Zurück wandern wir zuerst kurz am Strand entlang, wo wir auch einen Bernstein finden.

Nun geht es auf dem gleichen Weg zurück und kurz vor unserem Ziel finden wir ein Gasthaus, wo wir etwas trinken und dann erfreut sehen, dass auf der denkmalgeschützte Schmalspurbahn „Molli“ kommt. Die Bäderbahn, welche mit Dampf angetrieben ist und von Bad Doberan über Heiligendamm bis Brunshaupten und Ardensee fährt, hält unweit vom Restaurant in der Ebene und nimmt Gäste auf.

Zurück in Kühlenborn nehmen wir den Heimweg in Angriff. Unterwegs staune ich nicht schlecht, denn auf den Feldern sieht man immer wieder Kraniche, welche offensichtlich bereits wieder aus dem Süden zurück sind und somit die Vorboten des Frühlings spielen. Kurz vor Hamburg trifft dann das nicht erhoffte trotzdem noch ein – ein riesiger Stau. Mit einigem Glück und Können, umfahren wir nach einiger Zeit mit ständigem stop-and-go den Stau und kommen kurz nach Sonnenuntergang bei einer Pizzeria vorbei, wo wir noch unseren Hunger stillen, bevor wir den kurzen Restheimweg noch unter die Räder nehmen.

Am Montagmorgen früh fliege ich von Hamburg nach Basel zurück. Ich habe schon ein wenig ein mulmiges Gefühl im Magen, wenn ich an den vermissten Flug der Malaysia Airlines vom 8. März von Kula Lumpur nach Peking mit einer Boeing 777 mit 239 Personen an Bord, denke. Über 2 Wochenspäter hat man die Trümmer der Maschine nach einem Irrflug von über 7 Stunden rund 2'500 km südwestlich von Perth im Indischen Ozean gefunden. Höchstwahrscheinlich wird man die Hintergründe des Absturzes nie herausfinden. Es geht aber alles gut und wir landen nach einem ruhigen und sonnigen Flug wohlbehalten in Basel.

Vom Morgenstraich sieht man um diese Zeit nicht mehr viel und nach einer problemlosen Zugfahrt komme ich knapp vor 12 Uhr in Rotkreuz an und bin glücklich wieder zuhause zu sein.

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