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13.7. + 14.7.2013 - Hüttentour

2-tägige Wanderung im Glarnerland.

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Tag 1

Die Prognosen versprechen stabiles Hochsommerwetter und wir reservieren uns eine Woche zuvor zwei Schlafplätze in der Fridolinshütte. Am frühen Samstagmorgen fahren wir via Brunnen, über die Axenstrasse nach Flühlen und dann von Bürglen aus auf den Klausenpass. Bereits haben einige Gümeler und Biker die anspruchsvolle Passstrasse in Angriff genommen. Mit dem Auto schaffen wir die unzähligen Kurven und die rund 1'300 Höhenmeter bequem. Der Verkehr nimmt immer mehr zu und auf der teilweise engen Strasse kreuzen wir die ersten Postautokurse und auch eine Herde mit Rindern, die auf eine höhere Alpenwiese getrieben wird.

Bald erreichen wir Linthal und fahren bis zum Punkt Tierfed (805 m.ü.M.). Wir parken das Auto auf einem Kiesplatz hinter dem riesigen Werkhof der Limmerensee-Kraftwerke. Hier treffen wir bereits auf einige andere Wanderer. Und plötzlich hören wir ein leises Rauschen und ein Gleitschirmflieger landet präzise auf dem schmalen Weg des Parkplatzes, keine fünf Meter von seinem eigenen Auto entfernt. Der junge Glarner erzählt uns von seinem morgendlichen Flug, den er auf dem Tödi (3'574 m.ü.M.) gestartet hat. Alle Achtung!

Wir wollen nicht ganz so hoch hinaus, gemäss Wegweiser haben wir doch rund vier Stunden Marschzeit vor uns. Die Fahrstrasse führt durch den Wald und steigt steil an. Am Wegrand entdecken wir schon die ersten Blumen und kleine Erdbeeren.

Auf einer Informationstafel erfahren wir noch weitere Details zum Ausbau des Limmeren-Stausees auf 1'857 m.ü.M. Unten im Tal sehen wir nochmals auf die Baustelle, die Bahnstation und die künstlichen Wasserbecken.

Der Wanderweg führt durch einen schmalen Felstunnel und wir fragen uns, wie das Taxi, dass Wanderer von Tierfed nach Hinter Sand fährt, hier wohl durchkommt. Nach dem Tunnel überqueren wir die Pantenbrugg und haben einem Blick in die imposante Schlucht des Sandbaches.

In Laufrichtung rechts erhebt sich der Gemsistock und links sind die steilen Flanken des Selbsanft-Gebietes. Auf dem Weg haben wir Blick auf die tief verschneiten Berggipfel und in die Schlucht des Sandbaches.

Der Weg steigt stetig an und die Temperatur ist sehr angenehm. Die Rucksäcke liegen noch nicht schwer auf und wir kommen gut voran. Wir erreichen das Gebiet Vorder Sand und dann die Ebene bei Hinter Sand mit einem weiteren Ausgleichbecken und einer bewohnten Alp. Bis hier werden auf Bestellung auch Wanderer mit einem privaten Transport gefahren.

Nun wird der Pfad steiler und schmaler. Wir wandern über Bergwiesen und lichte Wälder. Wir nähern uns allmählich der Baumgrenze. Plötzlich treffen wir auf eine Rinderherde, die in den saftigen Wiesen Alpkräuter fressen. Einige geben nur widerwillig den Wanderweg frei und verfolgen uns dann ein Stück weit. Die Alpenflora ist einfach herrlich, es blüht in allen Farben und Formen und wir halten so viel wie möglich bildlich fest.

Ein kleiner, unscheinbarer Steg führt uns über ein ganz schmale, aber sehr tiefe Schlucht. Weit unten donnert der Bergbach in die Tiefe.

Weiter oben ist der Bifertenbach breiter und bietet die ideale Kulisse für eine Mittagsrast. Wir freuen uns auf ein Picknick, müssen dann aber feststellen, dass der Käse und die Wurst zu Hause geblieben sind. So besteht das Essen aus feinem Brot und getrockneten Aprikosen. Zum Glück haben wir genügend Getränke mit dabei und das Nachtessen in der Hütte reserviert.

Auf dem Bergweg Richtung Fridolinshütte sind einige Wanderer unterwegs. Die einen nehmen wie wir den weiterhin steilen Aufstieg in Angriff, andere sind bereits wieder auf dem Abstieg. Die Route führt vorbei an blöckenden Schafen und einem grossen Wasserfall. Wir erreichen die 2'000-Höhenmetermarke und somit auch bald unsere erste Tagesetappe. Mitunter hören wir ein tiefes Grollen und sehen einen Gletscherabruch beim Hinter Rötifirn. Die Schnee- und Eismassen donnern in die Tiefe und bilden unterhalb des Felsens einen Kegel. Ein eindrückliches Schauspiel, das wir aus sicherer Distanz bewundern dürfen.

Bei der Fridolinshütte herrscht schon Hochbetrieb und dennoch eine gemütliche Stimmung. Wir gönnen uns ein kühles Bier auf der Bank vor dem Haus. Von der Hüttenwartin erfahren wir, dass wir unser Lager im Winterhaus, etwas unterhalb der Hütte beim See beziehen können. Das Nachtessen ist auf halb Sieben angesagt.

Wir unterhalten uns mit zwei Deutschen, die bereits von einer Tödi-Tour zurück sind und uns noch den Aufstieg zur Grünhornhütte empfehlen. Das Wetter und die Zeit lässt es zu. Wir reservieren unsere Liegeplätze in der Winterhütte und erleichtern unsere Rucksäcke. Dann geht’s weiter. Der Weg führt über Bäche und da Brücken fehlen, springen wir von Stein zu Stein um ans andere Ufer zu gelangen.

Drei Mal überqueren Schneefelder und sind froh, die Wanderstöcke dabei zu haben. Der Aufstieg ist sehr steil und weglos. Die Steine rutschen unter den Füssen weg und jeder Schritt braucht volle Konzentration.

Doch wie meistens lohnt sich die Mühe. Hier oben ist kein Mensch. Wir geniessen die Ruhe und die eindrückliche Aussicht auf den Bifertenfirn. Die Grünhornhütte ist eine der ersten SAC-Hütten und dient nur als Schutzhütte. Im Innern sind lediglich ein Tisch und zwei Bänke sowie Hinweistafeln zur Geschichte zu finden. Die Behausung ist Ausgangspunkt für die Tödi-Besteigung.

Aufkommende Wolken mahnen uns zum rechtzeitigen Abstieg. Der Weg fordert nochmals volle Aufmerksamkeit und die Bachüberquerungen unsere Geschicklichkeit. Wir bewundern die vielen Blumen, die sich durch den steinigen Boden gekämpft haben und nun im kurzen Bergsommer um die Wette blühen.

Zurück bei der Hütte nehmen wir – zum Erstaunen von einigen – ein erfrischendes Bad im kleinen Bergsee. Der Wasserstand ist tief und die Temperatur erstaunlich angenehm. Erfrischt schlüpfen wir in saubere Kleider und sind bereit für einen gemütlichen Hüttenabend. Ein kurzer Regenschauer treibt alle schnell in die schützende Behausung. An unserem Tisch sitzt eine heitere Truppe aus dem Zürcher Oberland und aus der Ostschweiz. Bis auf den achtjährigen Junior, der bald auf der Eckbank einschläft, sind alle in Festlaune und wir stossen auf den ersten Wandertag dieses Wochenendes an. Nach einem reichhaltigen Essen (Gemüsesuppe, Risotto und Beinschinken, Triamisu) und vielen Lachsalven machen wir uns gegen zehn Uhr (offizielle Hüttenbettruhe) auf zu unserem Schlafgemach.

 

Tag 2

Die Nacht ist nicht ganz so erholsam. Spätere Gäste zünden mit der Taschenlampe herum, ein äusserst schreckhafter Junge schreit bei jedem Windstoss und bereits um 3 Uhr stehen die ersten Hochgebirgsgänger wieder auf.

Wir kommen am frühen Sonntagmorgen kurz nach sechs Uhr wieder aus unseren Schlafsäcken. Nach einer kurzen Morgentoilette geniessen wir das Frühstück (Birchermüesli, Brot, Kaffee). Von den andern Tischgenossen ist erst einer wach. Nach einem kurzen Schwatz verabschieden wir uns und machen uns ans Packen. Irgendwie passt nicht mehr alles so gut in den Rucksack und die nassen Badekleider hängen wir aussen dran.

Gleich hinter der Fridolinshütte beginnt der Aufstieg auf den Ochsenstock. Der Morgen ist herrlich frisch und sonnig. Den Gipfel auf auf 2'265 m.ü.M. haben wir schnell erreicht. Wir halten einen Moment inne und geniessen die eindrückliche Bergwelt.

Der Weg führt nun unterhalb des Bifertengrätli zum Unter Röti. Vom Vorder Rötifirn fliesst ein Bach Richtung Tal und gestaltet eine malerische Landschaft. Ab und zu treffen wir auf andere Wanderer, die wir schon in der Hütte gesehen haben.

Mal überholen wir sie, mal gehen sie an uns vorbei. Wir steigen ab auf unter 2'000 Meter und gelangen beim Ober Sand auf eine grosse Alpenweide und auf ein kleines Kraftwerk.

Da wir zeitlich gut daran sind, beschliessen wir den Aufstieg zur Claridenhütte. Ein Zickzackweg führt über Kuhweiden und durch Bergblumenwiesen. Nebst Enzian und Alpenrosen, die wir am Vortag schon bewundert haben, treffen wir heute auch noch auf Edelweise.

Schritt für Schritt gewinnen wir im Gebiet Beggenen wieder an Höhe. Auf der rechten Seite erhebt sich der Zuetribistock und links der Geissbützistock. Wir halten immer wieder Ausschau nach Gemsen oder Steinböcken. Doch keiner lässt sich blicken. Und auch die scheuen Murmeltiere hören wir nur ab und zu pfeifen.

Mit der Beggilücke auf 2'537 m.ü. M.erreichen wir den höchsten Punkt dieser Wanderung. Der Ausblick macht uns sprachlos. Berge, Gletscher, Schneefelder und in Sichtweite die Claridenhütte.

Wir versuchen die Eindrücke mit vielen Fotos bildlich festzuhalten. Über die Altschneefelder geht’s nun Richtung Hütte auf 2'453 m.ü.M. Hier sind deutlich weniger Gäste als in der Fridolinshütte. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass hier gerade umgebaut wird und rund ums Haus eine Baustelle ist. Wir konsumieren dennoch eine Flasche Most und essen unsere zweite Ration Brot (ohne Käse, ohne Wurst). Auf Empfehlung wandern wir noch bis zum Altenorenstock (2'458 m.ü.M.). Von hier aus sehen wir u. a. auch den Abstieg, der noch auf uns wartet.

Gestärkt geht’s nun bergab. Der erste Teil des Weges ist anspruchsvoll, da der Boden nass und die Steine entsprechend rutschig sind. Feste Ketten an der Felswand und Konzentration bringen uns sicher durch diese heikle Stelle. Weiter geht’s über Schneefelder und dann im Zickzack das Walenbachtal hinunter. Beim Punkt Geissstein verzweigt sich der Weg zum Klausenpass; wir nehmen Route Richtung Linthal. Der Weg wird etwas flacher, wir erreichen wieder die Baumgrenze und wandern durch Alpgebiete.

Kurz nach der Altstafel sitzt dann plötzlich ein mächtiges Murmeltier in der Wiese und schaut interessiert umher. Wir sind nicht weniger neugierig und lichten das Tier ab. Für unsere Kamera zu schnell springt noch ein Jungtier über den Weg und verschwindet in einem der vielen Erdlöcher. Welch schöne Begegnung!

Bei einer nächsten Alp folgen wir einem vergilbten Wanderwegzeichen, was sich als wenig geschickt erweist. Zum einen finden wir uns in weglosen Kuhweidegelände wieder und anderseits verpassen wir einen Abstecher, der uns ziemlich direkt hinunter nach Tierfed bringt. So laufen wir lange auf der staubigen Fahrstrasse, die uns schliesslich hinunter an die Linth bringt. Nun müssen wir noch eine ganze Strecke entlang der Strasse zurück zum Parkplatz laufen. Aber auch das schaffen wir.

Den Rückweg fahren wir durch das Glarnerland. In Glarus genehmigen wir uns noch eine kalte Erfrischung um dann die definitive Heimreise anzutreten. Recht müde, aber um eine tolle Wanderung und viele Eindrücke reicher, schauen wir auf ein schönes Wochenende in den Bergen zurück.

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