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21.9.2013 - Gitschen

Eine anspruchsvolle Wanderung

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Die Tour auf den Gitschen ist schon lange auf unserer „Wunschliste“. Letztes Jahr hat ein früher, erster Schnee diesen Plan verhindert. Doch ganz nach dem Thema „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ ist es heute soweit.

Bereits ab der Berner Höhe empfängt uns sonniges Herbstwetter und bald erreichen wir das Isenthal im Kanton Uri. Im Dorf Isenthal zweigt eine schmale Strasse ins Chlital ab. Wir fahren bis zum Chli Bergli auf 1’026 m. ü.M. und parken bei der Talstation der Bahn. Die Luftseilbahn bietet gerade mal Platz für vier Personen und bringt uns bequem hinauf auf die Gietisflue. Bei Frau Kempf bezahlen wir den Fahrpreis und erkundigen uns nach den Bedingungen für den Aufstieg auf den Gitschen. Es seien schon ein paar Wanderer unterwegs und der Schnee, der auch dieses Jahr früh gekommen ist, sei schon wieder weg.

Somit steht der Wanderung nichts mehr im Weg und wir laufen Richtung Sunnig Planggen und dann steil hinauf auf den Hinter Wang auf 1‘553 m.ü.M. Hier öffnet sich bereits ein erster Blick auf den Urner See, die Urner Alpen, das Schächental und hinunter nach Seedorf.

Auf dem zunehmend steiler werdenden Weg treffen wir auf einige wenige Berggänger. Wir erreichen die Alp Oberberg auf 1‘800 m.ü.M. Der Alpbetrieb ist bereits eingestellt und das Haus winterdicht verschlossen. Hier geht nun der Weg in eine blau-weiss-blau markierte Route über und wir kommen zum Rinderstock. Der schmale Pfad entlang den Felsenwänden verlangt volle Konzentration, denn ein Fehltritt hätte fatale Folgen. Um die prächtige Aussicht geniessen zu können, bleiben wir an sicheren Stellen stehen. Wir erreichen die 2‘000-Meter-Höhenmarke und kommen an einem Not Biwak vorbei. In der Felshöhle sind sogar Liegematten vorhanden, doch gemütlich wäre die Nacht wohl kaum. Wir sind zum Glück gut im Zeitplan und das Wetter ist stabil.

Die Wanderstöcke packen wir nun in die Rucksäcke, den die Hände brauchen wir nun zunehmend zum Klettern. Der Pfad führt durch felsiges Gelände unterhalb des Gitschen. Nach einer sehr steilen Kletterpartie über Steine und Wiesen kommen wir auf einen Grat und haben nun fast die Höhe des Gitschen erreicht. Auf dem schmalen Gratweg wandern wir noch ein Stück bis zu einer Stelle, wo wir uns gefahrlos hinsetzen und den Rundblick geniessen können. Wir entdecken viele Berggipfel, die wir bereits von früheren Wanderungen her kennen und entdecken neue mögliche Ziele. Unsere Blicke schweifen über den Uri-Rotstock, den Schlieren, den Ruchstock, den Chaiserstuhl, den Brisen, den Oberbauenstock und viele weitere Gipfel. Weit unten erkennen wir die Musenalp, ein nächstes Etappenziel.

Doch vorerst heisst es nochmals Klettern im Gebiet Vorder Gämschfeld. Hier sind einige Passagen mit Fixseilen gesichert, was die Begehung etwas einfacher macht. Plötzlich hören wir Steinschlag und halten sofort an. Wir beobachten, dass Bergsteiger beim nahen Gitschen an einer heiklen Stelle den Steinschlag ausgelöst haben. Glücklicherweise ist niemand getroffen und es scheint alles unter Kontrolle zu sein.

Für uns ist es nun Zeit, das Picknick zu geniessen. Heute ergänzen frische Trauben die Wurst-Käse-Brot-Mahlzeit. Wir sitzen auf grossen Steinen und blicken in Richtung Uri-Rotstock. Alles ist ruhig und friedlich. Der Himmel ist blau und die Berghänge bereits schneeweiss.

Gestärkt setzen wir die Wanderung fort, denn es liegt noch einiges an Weg vor uns. Jetzt kommen die Wanderstöcke wieder zum Einsatz, denn wir laufen über Schneefelder. Das Gebiet Bander Horen ist felsig. Man ist fast geneigt, von einer Steinwüste zu sprechen. An den steilen Flanken liegt loses Gesteine, dass bei jedem Schritt in Bewegung gerät. Auch hier ist also entsprechende Vorsicht geboten, denn wir laufen oberhalb von abschüssigen Felsbändern. Von den Hängen fliesst stetig Wasser zu Tale. Weit oben sind die Resten des Chlital-Firn zu erkennen. Der Weg ist spektakulär und abwechslungsreich. Wir steigen kontinuierlich ab, überqueren weitere Schneefelder, Bachläufe und enge Schluchten. Erst beim Firnboden kurz vor der Musenalp wird der Bergweg etwas flacher und geht dann in einen Wanderweg über.

In der Alpwirtschaft bestellen wir uns dann ein grosses Getränk und sitzen gemütlich vor der Hütte. Wir können von hier aus auf einen Teil unseres Wandergebietes blicken und sind zufrieden mit dem Geleisteten. Um die lokale Infrastruktur zu unterstützen fahren wir von der Musenalp mit der kleinen, offen Transportbahn (mit Zulassung für Passagiere) nach Neihüttli hinab. Die Fahrt ist abenteuerlich und endet mit einem kleinen Sprung aus der Transportkiste.

Auf der Fahrstrasse geht’s nun zurück zum Parkplatz. Unterwegs treffen wir auf einen kleinen „Alpumzug“. Die üppig geschmückten Kühe kommen wohl von einer Viehausstellung und werden von den Älper/innen wieder nach Hause getrieben. Eine folkloristische Einlage mit nachhaltigen Spuren auf der Strasse. Nach rund sechs Stunden in den Wanderschuhen freuen wir uns auf leichtes Schuhwerk und dann ein wohlverdientes Nachtessen zu Hause.

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