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29.9 - 6.10.2013 - Donauschifffahrt

Eine Woche mit Schiff und Bike auf der schönen blauen Donau.

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Der Fluss als Wegweiser - Bericht in der NZZ vom 21. März 2014

 

Sonntag 29.09.2013 - Lange Fahrt in die Dreiflüssestadt Passau

Die Routenbeschreibung gibt gut fünf Stunden Fahrtzeit nach Passau an. Deshalb starten wir am frühen Sonntagmorgen Richtung Osten. Der Verkehr ist recht flüssig und auf den Autobahnen in Deutschland kann das Tempo etwas erhöht werden. So kommen wir mit zwei kurzen Stopps nach dem Mittag in Passau an. Das Auto parken wir in einem Parkhaus oberhalb der Stadt und von dort werden wir und unser Gepäck zum Schiff transportiert.

Bis zur Einschiffung bleibt uns noch etwas Zeit, die Stadt zu erkunden. Beim Dreiflüsseeck treffen der Inn, die Ilz und eben die Donau zusammen. Im Frühjahr haben diese Flüsse Hochwasser geführt und die historische Altstadt unter Wasser gesetzt. An vielen Gebäuden sind die Schäden noch deutlich zu erkennen. Manche Häuser sind nicht mehr bewohnbar und einige Besitzer haben wohl resigniert und ihre Ladenschäfte aufgegeben.

Wir besuchen die etwas höher gelegene St. Paul Pfarrkirche, den Domplatz und das alte Rathaus. Danach überqueren wir die Luitpoldbrücke und steigen ein paar Meter hinauf zum Veste Oberhaus. Zwischen den Bäumen hindurch geniessen wir den herrlichen Blick auf Stadt und Wasser.

Dann kehren wir zum Schiffsteg zurück, wo das Kreuzfahrt-Flussschiff MS My Story auf uns wartet. Nach dem Einchecken beziehen wir unsere Kabinen und finden dort auch schon unser Gepäck wieder. Es ist ein ganz spezielles Gefühl, wenn das Wasser bis unter das Bugfenster reicht. Wir können so direkt auf den Fluss schauen.

In der grossen Lobby werden wir dann vom Kapitän Ivan und einem Teil seiner Crew empfangen und mit der Sicherheit an Board vertraut gemacht. Die MS My Story ist viel übersichtlicher und familiärer als das riesige Kreuzfahrtschiff, mit dem wie vor zwei Jahren das Mittelmeer erkundet haben. Dennoch kommen die rund 160 Passagiere aus 14 Ländern. Die Gäste stammen u. a. aus den USA (Florida), aus Kanada, aus Südafrika, aus Japan, aus Australien, aus Holland, aus Deutschland und natürlich aus der Schweiz. Die täglichen Informationen werden immer auf Deutsch und Englisch präsentiert und die holländische Reisegruppe hat sogar einen eigenen Leiter mit dabei.

In der Zwischenzeit hat unser Schiff Passau flussabwärts Richtung Engelhartszell verlassen. Der erste Ferientag wird mit einem mehrgängigen Nachtessen und einem Glas Wein abgeschlossen. Während dem Essen passieren wir auch schon die erst Schleuse bei Jochenstein.

 

Montag, 30.09.2013 - Wir sind mit dem Radl da

Uns steht eine abwechslungsreiche Woche bevor. In der Nacht fährt unser Schiff immer auf der Donau. Tagsüber stehen uns dann verschieden lange Fahrradtouren zur Auswahl. Wir haben eine detaillierte Routenbeschreibung erhalten und an den täglichen Etappeninfos gibt uns Reiseleiter Leslie immer noch wertvolle Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Einkehrmöglichkeiten, Fährverbindungen und weist auf besonders heikle oder gefährliche Passagen hin.

Die Räder haben wir schon bei der Buchung vorbestellt. Es stehen Velos mit 21 Gängen oder mit 7 Gängen und Rücktritt oder auch E-Bikes zur Verfügung. So hat jeder und jede das passende Gefährt um der Donau entlang zu fahren. Die Angestellten bringen jeden Morgen die Drahtesel vom Schiff hinunter und laden sie Abend wieder auf; ein echter Kraftakt!

Am ersten Tag heisst es nun, sein mit der Kabinennummer markiertes Rad finden und mit Hilfe des Technikers den Sattel und Lenker richtig einzustellen. Dann geht’s endlich soll. Doch wir fahren nur knapp 500 Meter bis zu einer Fährstation. Das kleine Schiff kann ca. 15 Passagiere und Fahrräder aufs Mal über die Donau transportieren.

An das Fahren mit der 7-Gangschaltung und dem Rücktritt gewöhnt man sich bald. Der Radweg führt entlang dem Fluss und hat kaum Steigung. Einzig Gegenwind lässt uns ab und zu kräftiger in die Pedalen treten. Wir kommen an kleinen Schlössern, imposanten Burgen und schönen Bauernhöfen vorbei. Der Höhepunkt des Tages ist sicherlich die sogenannte Schlögener Schlinge. Die Donau schlängelt sich durch ein sehr grünes Tal mit kleinen Siedlungen und macht dabei eine 180-Grad-Kehre von südöstlicher in nordwestlicher Richtung.

Bei einer Jause Station gibt’s frischen Apfelsaft. Wir lernen zwei Kanadier kennen und tauschen uns über Reiseerfahrungen und –Erlebnisse aus. Nach der Stärkung setzten wir mit einer nächsten Fähre wieder ans andere Ufer über und führen dort die Radwanderung fort. Kurz vor Aschbach legen wir dann nochmals einen Kaffeehalt ein und in einem Laden decken wir uns mit Trinkwasser für die nächsten Tage ein.

In Brandstatt wartet das Hotelschiff wieder auf uns. Nachdem alle Gäste und Räder wieder an Bord sind, heisst es Leinen los.

 

Dienstag 01.10.2013 - Über Land in die Stadt

Heute erwachen wir bei sonnigem Wetter in Devin. Beim reichhaltigen Frühstücks-Buffet dürfen wir uns jeweils ein Sandwich für das Mittagessen einpacken. Das Picknick wird durch ein Getränk, eine Frucht und ein Riegel ergänzt. Das ganze verstauen wir dann im Rucksack und in den Sackgoschen.

Warm eingepackt starten wir zur heutigen Tour. Die kalten Temperaturen lassen einige Radler wieder umkehren. Sie haben die Möglichkeit, mit dem Schiff an den nächsten Zielort zu fahren. Die heutige Tour ist wiederum ca. 44 Kilometer lang und startet gleich in der beschaulichen Ortschaft. Der schmale Radweg führt entlang dem Fluss March verlangt Vorsicht, denn der Belag ist durch Wurzeln recht holprig. Wir fahren ziemlich genau entlang der grünen Grenze: rechts Slowakei und links Österreich.

Eine neue „Wellenbrücke“ führt Fussgänger und Radfahrer über die March und ein Naturschutzgebiet.

Von hier aus können wir auch schon das Schloss Hof sehen. Der Weg führt über weite Felder und dann steil hinauf auf eine Anhöhe. Wir besuchen einen Teil der barocken Schlossanalage und die Parkanlagen. Hier treffen wir auf viele Radfahrer u. a. auch Passagiere von unserem Schiff. Immer wieder gibt’s ein freundliches „Hallo“ oder ein kurzer Schwatz.

 

 

Entlang von grossen Ländereien und Pferdekoppeln geht’s weiter. Auf einem Dammweg gelangen wir zur Ortschaft Engelhartstetten. Die Donau haben wir für einige Zeit „verlassen“ und nähern uns ihr nun langsam wieder. Der Radweg führt nun durch den Nationalpark Donau-Auen und der Weg gehört nur uns.

Eine 2.2 km lange Brücke führt uns nun wieder an und auch über die Donau. Zum Glück gibt’s eine separate Velospur, denn der Verkehr ist hier sehr dicht.

In der Nähe von Hainburg geniessen wir direkt am Wasser unser Picknick. Der anhaltende Wind lässt uns jedoch bald wieder aufbrechen. Wir wenden uns wieder von der Duna ab und radeln durch liebliches Gelände Richtung Grenze. Bei der ehemaligen Zollstation Berg reisen wir ohne Kontrolle wieder in die Slowakei ein. Von weitem sehen wir schon die Burg von Bratislava und auch die riesigen Wohnsilos von Karlova Ves.

Es ist ein ganz spezielles Gefühl mit dem Fahrrad in eine Hauptstadt zu radeln. Einmal mehr überqueren wir die Donau und von der Brücke aus sehen wir auch schon unser Schiff wieder.

Wir gehen nur kurz an Board, denn wir wollen nun Bratislava erkunden. Nach dem zweiten Tag im Sattel tut es ganz gut, mal wieder zu Fuss unterwegs zu sein. So steigen wir zur Burg hinauf und blicken über die vielseitige Stadt mit ihren zahlreichen Kirchen und historischen Gebäuden. Auf einer Terrasse mit fantastischer Aussicht geniessen wir eine Kaffeespezialität. Obwohl der freundliche Kellner keine unserer Sprachen spricht und wir seine nicht verstehen, bekommen wir das gewünschte und alle sind zufrieden.

Danach erkunden wir noch einen Teil der Altstadt, besuchen den Martinsdom und einige weitere Kirchen, das alte Rathaus und den Primatialpalast. Die Stadt ist erstaunlich sauber und ziemlich voll mit Touristen. Vorbei am Theater und dem Ganymed-Brunnen kommen wir zum Hviezdoslavovo nam., einem belebten Platz mit vielen Restaurants, Cafés und Bars. Wir wählen ein cooles Pub und dank free WLAN können wir noch kurz unsere Mails prüfen. Auf dem Schiff ist die Internetverbindung nicht so stabil, deshalb nutzen wir diese Möglichkeit.

Zurück auf der MS My Story wartet wieder ein feines Nachtessen auf uns. Wir können immer zwischen einem Fleisch- oder Fischgericht aussuchen, zudem steht eine vegetarische Köstlichkeit auf der Karte. Voraus gehen zwei Vorspeisen und das Mahl wird mit einem süssen Nachtisch oder einem Käseteller abgerundet. Die Küchencrew kreiert meistens landestypische Spezialitäten und gibt Weinempfehlungen aus der Region dazu ab. Wer später noch Hunger hat, kann sich bei einem Nacht Snack bedienen oder den Durst in der Bar löschen.

 

Mittwoch, 02.10.2013 - Kontraste

Wie meistens kommt unser Schiff sehr pünktlich oder frühzeitig am Zielort an. So erreichen wir Budapest am führen Mittwochmorgen. Wir legen gleich gegenüber dem mächtigen Parlamentsgebäude an. Gemäss Programm ist heute ein Rundgang in der ungarischen Hauptstadt oder eine Radtour nach Szentendre vorgesehen. Da wir Budapest von einem früheren Besuch und der Teilnahme am Marathon her schon kennen, entscheiden wir uns für einen weiteren Ausflug entlang der Donau.

Heute haben sich anscheinend nur wenige für das Velofahren entschieden. Das ist auch verständlich, denn wer Budapest noch nicht kennt, hat nun einen ganzen Tag Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Wir schwingen uns in die Sättel und starten gleich beim Betthyany ter. Das erste Wegstück kennen wir vom Marathon her, hier hatten wir schon etwa die Hälfte des Laufes hinter uns! Der Radweg ist gut ausgeschildert und wir wählen die Route über die Margaretenbrücke und gelangen von dort auf die Margareteninsel. Auch diese grüne Insel in der Donau ist uns schon vertraut, denn beim letzten Besuch haben wir in einem Hotel auf der Insel gewohnt.

Vorbei an verfallenen Industriebauten und neu erstellten Businesscentern verlassen wir die Innenstadt und kommen nach einigen Kilometern wieder auf den Donau-Radweg. Nun radeln wir flussaufwärts, doch wieder bläst uns ein Gegenwind entgegen. Was ist hier falsch? Dieser Teil des Weges ist mancherorts noch stark von den Überschwemmungen im Frühling gekennzeichnet. So fahren wir mal über Naturwege, mal über desolate Pflastersteinpfade oder über Sandpisten. So abwechslungsreich wie der Weg ist auch die Kulisse: elegante Einfamilienhausquartiere wechseln sich ab mich verlassenen Militäranlagen und unberührten Naturlandschaften.

Nach gut 20 km erreichen wir dann das verkehrsfreie Szentendre (Sankt Andrä). In diesem Städtchen haben sich viele Künstler niedergelassen und entlang der Strasse reihen sich zahlreiche Krämmerläden. Wir schieben unsere Räder durch die schmalen Gassen und kaufen ungarisches Paprikapulver und eine Flasche Unicum ein. Am kleinen, schmucken Hauptplatz ergattern wir eine freie Sitzbank und geniessen unser Picknick.

Um einen Überblick auf die Ortschaft zu bekommen, möchten wir noch auf den Kirchenhügel steigen. Ein freundlicher, älterer Herr erklärt uns den Weg, wie wir auch mit unseren Stahlrössern auf die Anhöhe kommen. Der Platz vor der Kirche ist von einer Schar Kindern eingenommen. Dennoch knipsen wir ein paar Bilder und geniessen die Aussicht.

Danach brauchen wir etwas Warmes. Vor dem Kaffee des Marzipanmuseums verketten wir uns Räder und treten in das historisch anmutende Café-Haus ein. Wir bekommen eines der letzten Tischchen und freuen uns auf ein heisses Getränk. Bald stehen die Leute Schlange um sich bei Kaffee und Kuchen stärken zu können. So geben wir unseren Platz an Engländer weiter und machen uns auf den Rückweg.

Wir beschliessen, mit der Bahn nach Budapest zurückzufahren. Nach etwas suchen finden wir den Bahnhof und erkennen, dass der nächste Zug in 2 Minuten fährt. Schnell versuchen wir Tickets für uns und die Fahrräder zubekommen. Zum Glück ist die Billettverkäuferin auch gleich Bahnhofvorstand und so lässt sie den Zug warten bis wir auch an Bord sind. Die Bahnfahrt ist fast so holperig wie die Route mit dem Rad. Wir müssen unsere Zweiräder an einer Stange anketten, damit sie nicht durch den ganzen Wagon fliegen. Nach rund 30 Minuten Fahrt kommen wir zum Bahnhof Betthyany ter, also genau dorthin, wo wir am Morgen gestartet sind. Jetzt müssen wir die Räder nur noch aus der U-Bahnstation hinauf, über die viel befahrene Strasse und dann hinunter zum Schiff bringen.

Am Abend bietet der Veranstalter noch eine Lichterfahrt an. Die zahlreichen historischen Gebäude der Stadt werden all abendlich beleuchtet und bieten so phantastische Fotosujets. Dank der guten Position der MS My Story haben wir auch vom Oberdeck Sicht auf viele dieser Sehenswürdigkeiten.

 

Donnerstag, 03.10.2013 - Am Donauknie

Mit Budapest verlassen wir den südlichsten Punkt unserer Reise. Nun geht es wieder aufwärts … flussaufwärts! Im ungarischen Visegard können wir das Schiff schon früh verlassen und den steilen Aufstieg über den Salomon Turm zur Oberen Burg unter die Füsse nehmen. Die Wanderwege sind zwar ausgeschildert, doch wir sind der ungarischen Sprache nicht mächtig. So reichen wir den Burghügel über einen weiten Bogen durch eine wunderschöne, stille Landschaft. In den noch saftigen Wiesen blühen die ersten Herbstzeitlosen und einige Laubbäume tragen auch schon das Herbstgewand.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit können wir die Burganlage leider nicht besuchen und der unfreundliche Angestellte will uns auch nicht für einen kurzen Augenblick zur Aussichtsplattform lassen. So erhaschen wir die Blicke auf die Donau beim Abstieg zwischen den Bäumen hindurch.

Wir tauschen auf dem Schiff noch kurz unser Tagesgepäck und schnappen unsere Räder. Dann geht’s schon weiter mit einer weiteren Fährfahrt. Der alte Kahn wirkt nicht sehr vertrauenswürdig, doch die Überfahrt nach Nagymaros klappt bestens. Die Route ist leicht und hat kaum Steigungen. Wir umrunden das Donauknie und heute erscheint uns der Fluss erstmals wirklich blau. Vor der Ortschaft Zebegény rasten wir dann an der schönen blauen Donau und finden sogar Muscheln und kleine, leere Schneckenhäuser. Die gesammelten Erinnerungen verstauen wir in den freigewordenen Proviantboxen.

Um nach Esztergom zu kommen, besteigen wir bei Szob erneut ein Fährschiff und lassen uns mit vielen andern Radfahrer/innen ans andere Ufer schippern. Nun folgt eine Strecke auf der Hauptstrasse und es wird uns klar, weshalb wir für diese Route mit orangen Leuchtwesten ausgerüstet wurden. Wir fahren rund 5 km auf der stark befahrenen Strasse und werden von schweren Lastern und Bussen überholt. Unbeschadet biegen wir wieder in Radweg ein und kommen nach einem kurzen Anstieg zur berühmten Basilika von Esztergom.

Die Basilika gilt als grösste Kirche Ungarns und ragt über der Stadt. Hier wurde der erste ungarische König gekrönt. Während des osmanischen Reichs wurde die Kirche in eine Moschee umgewandelt und erst 1856 wurde das heutige Gotteshaus eingeweiht. Wie überall in Ungarn trifft man auch hier auf Hinweise von berühmten Komponisten wie z. B. Franz Liszt.

Ein fast 12 Meter hohes Monument aus Kalkstein unweit der Basilika stellt die Krönung vom Heiligen Stephan I. (15. August 1038) dar. Der Punkt bietet eine phantastische Aussicht auf die Donau. Bei einem nahen Restaurant trinken wir Kaffee und kosten einen starken, ungarischen Schnaps. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir den Liegeplatz der Kreuzfahrtschiffe.

Das sonnige und recht warme Wetter lädt zum Chillen auf dem Oberdeck ein. Viele Passagiere bleiben bis zur Abfahrt des Schiffes auf den bequemen Liegestühlen und verabschieden sich so von der ehemaligen ungarischen Hauptstadt.

Während die Gäste das herrliche Abendlicht geniessen haben sich von allen unbemerkt Piraten auf dem Schiff eingeschlichen. Sie haben den Speisesaal in Beschlag genommen und ein heilloses Chaos veranstaltet. Die Stühle liegen am Boden und auf den Tischen liegen Gabeln, Messer und Löffel sowie die Servietten und Gläser wild durcheinander. Die Piraten haben sich schon an Wein und Bier bedient und den Kapitän gefangen genommen. Und das auf der so friedlichen Donau!

Der gelungenen Überraschung der Crew folgt wie gewohnt ein feines Nachtessen in geselliger Runde.

 

Freitag, 04.10.2013 - Sightseeing und Torten

Wien empfängt uns mit einer steifen Biese. Auf der Donau kräuselt sich das Wasser. Das Anlegen dauert heute etwas länger und hier wird die My Story auch gleich bei Ankunft betankt. Eine Tankfühlung reicht dann für zwei Reisen. Diese und viele andere Informationen haben wir vom Kapitän Ivan bekommen. Er freut sich immer über Besuch auf der Brücke und beantwortet unsere Fragen.

Von der Anlegestelle in Wien Nussdorf ist es ein kurzer Fussmarsch bis zur Tramstation. Im Tabakladen bekommen wir die Fahrkarten und setzen uns ins nächste Tram Richtung Innenstadt. Die Fahrt kommt einem Sightseeing gleich. Uns wird schnell klar, dass wir Wien gerne mal länger besuchen möchten. Heute haben wir nur einen halben Tag Zeit und da kommen wir nicht sehr weit.

Bei der Oper steigen wir aus und laufen Richtung Stephansdom, einem der Hauptwahrzeichen der österreichischen Hauptstadt. In der Fussgängerzone gibt es teilweise kaum ein Durchkommen. Unmengen von Touristen sind unterwegs und bahnen sich einen Weg durch Wien. Das liegt wohl auch daran, dass viele Deutsche aufgrund des Nationalfeiertages (Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober) ein verlängertes Wochenende geniessen. So ist es auch unmöglich, in einem der bekannten Wiener Kaffeehäuser einen Tisch zu kommen. Auf ein feines Stück Sachertorte müssen wir dennoch nicht verzichten. In einer kleinen Konditorei serviert man uns ein Stück dieser süssen Spezialität.

Mit der U-Bahn und dem Tram fahren wir wieder zurück zum Schiff. Nach dem Nachtessen stehen vor dem Schiff zwei Cars bereit. Sie fahren uns zu einem Heurigen. In diesen typisch österreichischen Gaststätten wird vorwiegend einjähriger Wein und Sturm (Sauser) ausgeschenkt. Musik und Gesang sorgen für Unterhaltung. Die stimmgewaltigen Sängerinnen und Sänger geben Operettenstücke zum Besten. Nach dem kurzweiligen Abend verlässt unser Schiff kurz vor Mitternacht Wien.

 

Samstag, 05.10.2013 - Fahrt durch Rebberge

In der Nacht auf Samstag fährt das Schiff bis nach Rossatz. Wir sind in der Wachau, einem bedeutenden Weinanbaugebiet angekommen. Heute können wir wieder zwischen einer längeren und einer kürzeren Radtour wählen.

Die einen setzen gleich mit der Fähre nach Dürnstein über. Die ausdehnte Tour verläuft zuerst wieder ein Stück donauabwärts nach Mautern. Dort führt eine Brücke nach Stein bei Krems. Das Städtchen wirkt verschlafen und in der Hauptgasse ist noch nicht viel Betrieb. Nach einem kurzen Rundgang radeln wir stromaufwärts und kommen bald in die ersten Rebberge von Oberloiben.

Im Dorf Dürnstein herrscht touristisches Treiben. Wir entziehen uns der unnötigen Hektik und treten kräftig in die Pedalen um noch ein paar Höhenmeter zu gewinnen. Am Ende der Fahrstrasse binden wir unsere Velos an ein Geländer und setzen den Aufstieg zur Ruine Dürnstein zu Fuss fort. Der Weg ist interessant gestaltet und erzählt viel über die Geschichte der Burg. Die Errichtung geht ins 12. Jahrhundert zurück und in den Gemäuern ist der englische König Richard von Löwenherz gefangen gehalten worden.

Von ganz oben öffnet sich ein herrlicher Blick auf die Donau und die verschiedenen Dörfer der Wachau. Wir sehen die MS My Story, die bereits auf dem Weg nach Melk ist und den Weg, dem wir dann folgen werden.

Obwohl das Dorf noch immer überlaufen ist, bahnen wir uns einen Weg durch die Massen und besuchen kurz den Augustiner-Chorherrenstift. Wieder an der Donau unten wird uns an einem Messstand wieder vor Augen gehalten, wie hoch das Wasser das Gebiet überschwemmt hat.

Über das Weingebiet der Frauengärten radeln wir nach Weissenkirchen. Auf der Terrasse des Restaurants „zur verwöhnten Katze“ lassen wir uns mit einem feinen Kaffee und der Wärme der Sonne verwöhnen.

Die Ruhe in der friedlichen Gegend wird das laute Aufheulen von Sirenen jäh unterbrochen. Wir halten kurz an und überlegen was wohl zu tun ist. Wir fahren entlang eines Flusses, der an vielen Orten mit grossen Stauwehren zurückgehalten wird. Geht von da eine Gefahr aus? Wir stellen fest, dass die Einwohner und die andern Verkehrsteilnehmer ruhig bleiben und so setzen wir unsere Reise auch fort. Wir vertrauen darauf, dass es sich um einen Probealarm handelt.

Wir erreichen den östlichen Ortsrand von Spitz und wollen bei der Wehrkirche St. Michael picknicken. In diesem Augenblick heult wieder die Sirene auf. Zum Glück stellt der Alarm nach einiger Zeit ab und wir können das Essen im Freien geniessen.

In Willendorf wartet die nächste historische Stätte auf uns. Beim Bau der Bahnlinie entdeckte man 1908 eine 11 cm grosse Statuette einer nackten Frau. Die unter dem Namen „Venus von Willendorf“ bekannte Frauenfigur ist über 25‘000 Jahre alt. Eine vergrösserte Reproduktion ist bei der Fundstelle zu bestaunen.

Nun radeln wir ohne Halt über Emmersdorf nach Melk. Wir erwischen genau die richtige Strasse, die uns ohne Umwege zum Stift bringet. Für die Radfahrer gibt’s ein eigenes Parking mit Schliessfächern, wo Helme und Gepäck eingeschlossen werden können.

Die barocke Anlage ist riesig und bald wird uns bewusst, dass wir nur einen Teil besuchen können. Wir schlendern durch die Innenhöfe und kommen durch den gut besuchten Souveniershop in die mächtige Kirche. Der Prunk ist gewaltig. Für einen Besuch der bekannten Bibliothek reicht die Zeit leider nicht. Nach einem kurzen Blick in die Gartenanlage düsen wir hinunter ins Städtchen.

In einem Gartenrestaurant an einem belebten Platz kosten wir dann noch ein Glas Wein aus der Wachau. Der Weg zum Schiff ist ja nicht mehr weit und so gönnen wir uns diesen Schluck.

Am Abend stürzen sich dann alle Gäste in ihre besten Gewänder um am Galadinner teilzunehmen. Die Küche verwöhnt uns nochmals kulinarisch und die Crew verabschiedet sich von uns. Unser Reiseleiter Leslie ehrt den ältesten Teilnehmer, der an den Radtouren teilgenommen hat und bedankt sich für unsere Teilnahme. Glücklicherweise ist die Reise unfallfrei verlaufen und alle Passagiere sind immer pünktlich zum Schiff zurückgekehrt.

 

Sonntag, 06.10.2013 - Noch längere Fahrt in die Schweiz

Nachdem die Bordrechnungen bezahlt sind, werden zuerst das Gepäck und die privaten Räder abgeladen. Danach verabschieden wir uns endgültig von der Besatzung und steigen in den Bus, der uns zur Garage bringt. Wir verstauen die Taschen und Koffer wieder in die Autos und treten die Heimreise an. Unterwegs fühlen wir die Tanks und hören den deutschen Verkehrsfunk. Dieser verspricht einige Staus auf unserer Route. Zwar versuchen wir die Staustellen zu umfahren, doch plötzlich landen wir doch in einer schleichenden Blechkolone.

Auch bei der Einreise in die Schweiz ist nochmals Geduld gefragt, doch irgendwann kommen alle gesund zu Hause an.

Wir blicken auf eine sehr abwechslungsreiche und aktive Woche zurück. Viel Bewegung an der frischen Luft und in herrlicher Landschaft lassen den Kopf frei werden und der Besuch von historischen und kulturellen Stätten erweitert den Horizont; eine wunderbare Kombination; 1'158 km mit dem Schiff und rund 200 km mit dem Velo!

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