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1.8.2012 - Jakobiger

Arnisee – Sunnig Grat – Grossgander – Ruchälplistock – Jakobiger – Leutschachhütte – Arnisee

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Heute heisst es früh aufstehen. Um 06.09 h fährt die Bahn via Zug nach Erstfeld. Von dort geht’s weiter mit dem Bus zur Haltestelle Intschi Seilbahn im Urner Reusstal. Die ersten 700 Höhenmeter bewältigen wir dank der Seilbahn innert knapp 7 Minuten. Der rechtzeitige Start hat sich gelohnt; so sind wir bereits kurz nach acht Uhr am idyllischen Arnisee. Am See ist es noch ruhig, doch aufgrund des Nationalfeiertags und des schönen Wetters werden sich hier heute sicherlich viele Ausflügler einfinden.

Arnisee und links oben Sunnig Grat

Der Wanderweg führt ein Stück dem See entlang und zweigt dann ab in den steilen Grüenwald. Eigentlich könnte das dicht bewachsene Gebiet auch „Blauwald“ heissen, denn entlang dem Weg laden volle Stauden mit Heidelbeeren zum Naschen ein. Wir gewinnen auf dem schmalen und kurvenreichen Weg rasch an Höhe und kommen bald über die Baumgrenze. Die Vegetation ändert sich im Gebiet Riedboden, hier finden sich in kleinen, feuchten Mulden Flach- und Hochmoorgebiete und an trockenen Stellen wachsen sogenannte Legföhren.

Vorbei an der Sunniggrätli Hütte gelangen wir schliesslich auf den Sunnig Grat. Hier bietet sich ein prächtiges Panorama auf das untere Reusstal und den Urnersee. Der Aufstieg auf 2000 Höhenmeter lässt die ersten Schweisstropfen entstehen und so braucht es doch auch ein Taschentuch um sich wieder frisch zu machen. Doch mit dem Taschentuch entwischt auch das Rückfahrt-Billett der Seilbahn aus dem Hosensack. Ein Luftzug erfasst das Ticket unweigerlich und wir sehen das wertvolle Papierchen Richtung Erstfeld hinunter segeln. Doch wer an Wunder glaubt, kann sie auch erleben: der Wind dreht und das Billett fliegt wieder Richtung Sunnig Grat und kann etwas unterhalb des Weges sicher geborgen werden. Ein Klassiker … wir freuen uns über die gelungene „Rettungsaktion“ und wandern weiter bis zum äussersten Punkt des Grates. Ein 360-Grad-Rundblick gibt die Sicht frei auf die näheren und weiteren Gipfel. Wir meinen auch den Jakobiger, unser Tagesziel, zu erkennen. Nach dem Eintrag ins Gipfelbuch und einem anhaltenden Zustrom von weiteren Berggängern verabschieden wir uns vom ersten Ziel unserer heutigen Wanderung.

Nach kurzer Zeit verlassen wir den Rot-Weiss-Rot-Weg und biegen in einen Blau-Weiss-Blau-Pfad ein. Er führt uns über Stockgrueben Richtung Ruchäplistock. Anfangs bringt der Weg keine bemerkenswerten Hindernisse. Wir gewinnen wiederum rasch an Höhe und entdecken immer mehr uns bekannte und unbekannte Gipfel. So öffnet sich u. a. im Osten der Blick auf die Mythen bei Schwyz und in der andern Richtung erkennen wir bereits die Leutschachhütte und der darunterliegende Nidersee. Nun wird das Gebiet zunehmend weglos und wir kommen in die Felswände des Grossgander. Jetzt heisst es klettern und sich Schritt für Schritt vorwärts bzw. aufwärts bewegen. An einigen Stellen helfen fest installierte Seile die Passagen zu bewältigen und die Wegzeichen geben die ungefähre Richtung an. Ein Blick nach unten ist nicht empfehlenswert, denn er könnte zum Vertrauensverlust in die Expedition führen! Gefragt sind Kraft, Trittsicherheit und der Glaube an sich selbst.

Ruchälplistock

Zwischendurch gibt es immer Absätze, die ein kurzes Ausruhen auf sicherem Untergrund zulassen. Und an manchen Stellen können wir sogar den Fotoapparat zur Hand nehmen und ein Bilder knipsen. Doch dann ist wieder höchste Konzentration und auch Fantasie gefragt, um heikle Abschnitte zu bewältigen. Ein Fehltritt oder ein Ausrutschen hat fatale Folgen, dessen sind wir uns voll bewusst und entsprechend sorgfältig setzen wir die Kletterei über den steilen Wänden oberhalb der Glattplanggen fort.

Wir erreichen den Ruchälplistock und ruhen uns unterhalb des Gipfels etwas aus. Wiederum geniessen wir einen herrlichen Blick unter auf die Reuss, die bei Seedorf in den Urnersee fliesst. Es ist ein ganz spezielles Gefühl hier mitten in den steilen, schroffen Felsen zu sitzen und auf die 2000 Meter tiefer liegende Zivilisation hinunterzuschauen. Der Weg führt nun etwas weniger steil, aber noch immer exponiert weiter über einen namenlosen Grat. Nun erkennen wir auch, dass der Jakobiger (2505 m.ü.M) sich anhin immer hinter den Vorgipfeln versteckt hat und wir zu dessen Bezwingung nochmals hundert Höhenmeter vor uns haben.

Jakobiger

Dieser Streckenteil ist jedoch im Vergleich zu vorher einfach begehbar und bald haben wir den Gipfel erreicht. Beim Aufstieg treffen wir auch auf die ersten Berggänger seit wir auf der Blau-Weiss-Blau-Route sind. Die Aussicht hier oben ist noch imposanter und obwohl bereits einige Quellwolken am Himmel sind, bieten sich unzählige Fotosujets an. Insbesondere der Blick auf den tiefblauen Leid See lässt alle Anstrengungen und Überwindungen des Aufstiegs vergessen. Trotz eines anhaltend und mitunter kühlen Windes geniessen wir beim Gipfelkreuz Käse und Brot und stärken uns für den weiteren Verlauf unserer Bergwanderung.

Der bereits erwähnte Leid See liegt einsam zwischen den felsigen Gipfeln und im Wasser treiben die letzten Eisschollen. Der mystisch wirkende See kann wirklich nur durch eine mehrstündige Wanderung erreicht werden. Deshalb treffen wir hier auch keine Leute. Alles ist ruhig bis sich der Lärm eines Helikopters wieder bemerkbar macht. Wir haben bereits beim Aufstieg etwas wahrgenommen, doch da hatten wir keine Möglichkeit danach Ausschau zu halten. Jetzt erkennen wir den Superpuma-Armeehelikopter in der Nähe der Leutschachhütte.

rechts Ruchälplistock, mitte Jakobiger mit Leid See

Der weiterhin schmale und zum Teil mit Seilen und Stufen gesicherte Weg führt nun über die Chapferplanggen zur SAC-Hütte. Eigentlich haben wir hier mehr Leute erwartet. Doch wir finden genügend Platz auf der Terrasse und gönnen uns ein kühles Panasche.

Wir bewundern den türkisblauen Nidersee und können erahnen, bis wo ursprünglich der Gletscher gereicht haben muss. Aus dem See fliesst der Bach über zahlreiche Wasserfälle schliesslich in die Reuss. Nach einer kurzen Rast verabschieden wir uns wieder vom Hüttenwart und nehmen den Abstieg in Angriff.

Nidersee

Der Weg führt teils entlang dem Leutschachbach, über Kuhweiden und vorbei an Alpen Richtung Hinter Arni.

Wir vermuten bei der Seilbahn schon einige wartende Passagiere und entscheiden uns deshalb möglichst schnell zur Bergstation zu gelangen. Unsere Vorahnung bestätigt sich, doch wir haben Glück und können bald in die maximal acht Personen fassende Kabine einsteigen. Dank dem geretteten Billett können wir nun bequem wieder hinunter nach Intschi gondeln. Bis zur Abfahrt des Busses bleibt noch genügend Zeit um im nahen Restaurant etwas zu trinken und aus den Bergschuhen zu steigen. Welch eine Wohltat nach rund sieben Stunden in diesen Schuhen!

Zu Hause angekommen geniessen wir dann zu Feier des (National)-Tages draussen ein Raclette und lassen diese eindrücklich und unvergessliche Bergwanderung nochmals Revue passieren.

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